
Es ist noch gar nicht so lange her, da kannten den Namen Bargfrede allenfalls jene norddeutschen Nostalgiker, die auch heute noch die Eintrittskarte für das Spiel St. Pauli gegen Darmstadt 98 aus der Saison 1987/1988 über dem Bett hängen haben. Damals traf Hans-Jürgen Bargfrede am Millerntor doppelt, und St. Pauli siegte am Ende knapp mit 3:2. Es war eines der besten Spiele des Mittelfeldspielers. Knapp drei Jahre später beendete er seine Profilaufbahn bei Preußen Münster.
Mittlerweile aber ist sein Sohn Philipp Bargfrede dabei, diese Patina westdeutscher Zweitligahistorie wegzuwischen. Seit dieser Saison zählt der 20-Jährige zum Profikader von Werder Bremen. Und der Name Bargfrede ist dadurch nicht nur in der Gegenwart angekommen, sondern steht plötzlich sogar für eine grün-weiße Zukunft.
Der lange Weg nach oben
Denn Philipp Bargfrede ist seit langem das erste Bremer Talent, dem es gelungen ist, sich nachhaltig in der ersten Mannschaft zu etablieren. Und seit langem heißt in diesem Fall: Seit Aaron Hunt. Was beweist, dass die Durchlässigkeit zu den Profis im Gutmenschdorf an der Weser besonders gering und der Weg von den Amateuren zu den Profis besonders steinig zu sein scheinen. Dass nun ausgerechnet Bargfrede dieser zähe Übergang gelungen ist, liegt vor allem daran, dass er einen Spielertypus verkörpert, der, trotz der allumfassenden, fast schon dogmatischen Offensivphilosophie dieses Vereins, noch jede Bremer Mannschaft geprägt hat. Bargfrede, uneitel und mannschaftsdienlich, ist der zuverlässige Arbeiter im Schatten, der immer dann am besten ist, wenn hinterher niemand mehr so genau weiß, ob er überhaupt mitgespielt hat. Anfang der 90er wurde dieser Schattenmann durch Dieter Eilts zur Kultfigur, Frank Baumann hat diese Rolle in den vergangenen Jahren schließlich nahezu perfektioniert.
Und auch Bargfrede ist niemand, der die gegnerische Verteidigung mit Hochgeschwindigkeitsdribblings zerreißt, er ist kein Zauberzwerg. Doch wenn ihm das Spiel zu entgleiten droht, weil ihm der Ball nicht wie selbstverständlich gehorcht, verbeißt sich Bargfrede in Zweikämpfe und Gegenspieler. Bargfrede frisst Gras. Und das macht ihn zum idealen Schaaf-Jungen.
Denn letztendlich ist er durch diesen bedingunslosen Einsatz und die Bereitschaft, immer noch einen Schritt mehr zu gehen, auch ein Double seines eigenen Trainers, der auch immer mehr Arbeiter war als leichtfüßiger Showmann. Es ist eben auch eine Art fußballerische Verwandtschaft, die Philipp Bargfrede und Thomas Schaaf verbindet und die Bargfrede mittlerweile zu einem wichtigen Teil in Schaafs Mittelfeldpuzzle hat werden lassen.
Hans-Jürgen Bargfrede hat es am Ende auf 15 Bundesliga-Einsätze gebracht. Vieles spricht dafür, dass Philipp Bargfrede schon im Winter an seinem Vater vorbeiziehen wird. Denn der Schaaf-Junge hat sich festgebissen.
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