Thomas Gra­vesen war einer, der pola­ri­siert hat. Er war kein Mus­ter­profi und Trai­ner­lieb­ling, son­dern eher ein ver­rückter Vogel, eben eine »Hümör­bömbe«, wie er sich selbst einst nannte. Bei Inter­views wussten die Reporter oft nicht, ob sie es mit einem Fuß­baller oder mit einem Komiker zu tun hatten. Der Däne war immer für Über­ra­schungen gut und hat stets das getan, was er für richtig hielt.

Mit 21 kam er zum HSV und erkämpfte sich schnell einen Stamm­platz im Team und bei SAT.1. Es ver­ging kaum eine »ran«-Sendung ohne einen lus­tigen Spruch von Gra­vesen. Auch auf dem Platz war er pau­senlos am Reden, dis­ku­tierte und meckerte mit allen, egal ob Trainer, Schiri oder Mit­spieler. Das trieb seinen dama­ligen Trainer Pagels­dorf irgend­wann soweit, dass er ihn aus der ersten Elf ver­bannte, doch der defen­sive Mit­tel­feld­spieler kämpfte sich zurück.

Er war zwar kein über­durch­schnitt­lich begabter Tech­niker, aber einer der­je­nigen, die Spiele ent­scheiden konnten, einer der immer vollen Ein­satz zeigte und stets mit voller Robust­heit in jeden Zwei­kampf ging. Nach der EM 2000 und 74 Bun­des­li­ga­spielen für den HSV zog es ihn auf die Insel zu Everton. Er schaffte sofort den Sprung zum Leis­tungs­träger in der Pre­mier League, den­noch wurde es in Deusch­land erstmal ruhig um ihn. Erst 2005 sorgte er wieder für Auf­sehen und ver­blüffte sämt­liche Experten: Real Madrid, bestückt mit Stars wie Raul, Figo oder Ronaldo, ver­pflich­tete aus­ge­rechnet ihn, den fuß­bal­le­risch limi­tierten Kämpfer. Kaum einer, der ihn aus der Bun­des­liga kannte, traute Gra­vesen den Durch­bruch bei Real zu, doch er war genau der knall­harte, robuste Typ Spieler den das Team brauchte.

Dum­mer­weise hatte er bei den spa­ni­schen Fans nicht den Stand, den er hier­zu­lande hatte. Wegen seiner harten Spiel­weise wurde er als Holzer ver­spottet, bis er den zarten Robinho im Trai­ning tat­säch­lich einmal zu grob lieb­koste und des­wegen aus dem Kader flog. Ein echter Typ von seinem Schlag passt nun mal nicht zu den Fuß­ball­zau­be­rern von der ibe­ri­schen Halb­insel.

Gra­vesen ging zurück nach Groß­bri­tan­nien und wurde 2007 mit Celtic Glasgow schot­ti­scher Meister. In der fol­genden Saison wurde er nach Everton aus­ge­liehen, bevor im letzten Sommer sein Ver­trag auf­ge­löst wurde. Jetzt hat er genug vom Fuß­ball. »Ich habe ein paar tolle Jahre im Aus­land gehabt und in vier Län­dern gespielt und gelebt. Mit 32, fast 33, habe ich mich zum Auf­hören ent­schieden, ehe mich das Alter oder die Gesund­heit dazu zwingen. «

Nicht wenige werden ihn ver­missen.

ncG1vNJzZmhpYZu%2FpsHNnZxnnJVkrrPAyKScpWekqLCpcaJsXHt7o6h6qXGibFx7e51akHRxoW%2Bpm11zaHKDgsybnGhrZ2iAeII%3D